Canon 5D Mark III

Als Umsteiger von Canon´s APS-C Flaggschiff 7D zur 5D Mark III möchte ich euch meine Erfahrungen aus meiner persönlichen Sicht mitteilen. Alles in allen kann man aber sagen, dass man als 7D-Vorbesitzer kaum Schwierigkeiten hat, sich mit den Grundfunktionen der Mark III vertraut zu machen. Etwas anderes sind jedoch die sehr umfangreichen AF-Einstellungsmöglichkeiten in den Menüs. Da ist eine gewisse Einarbeitungszeit von Nöten.
Vielleicht eines Vorweg, ich bin auch eine Zeit lang mit Nikon-Ausrüstung unterwegs gewesen (D300, D700) und war von diesen Bodies sehr überzeugt (eigentlich bin ich es heute noch:)). Deshalb auch hin und wieder der Vergleich mit diesen.
Der folgende Beitrag stellt natürlich nur mein subjektives Empfinden dar, andere mögen Wertungen oder Meinungen nicht teilen. Dann diesen Text einfach vergessen.
Fangen wir mit dem Offensichtlichen an, und das im wahrsten Sinne des Wortes, dem Gehäuse und den Bedienelementen:
Beide Kameras haben ein sehr ähnliches Gehäusedesign. Der auffälligste Unterschied ist das größere Okular der 5D Mark III (ist im folgenden nur noch die 5D erwähnt, bezieht sich das auf die Mark III). Dadurch ist jedoch der interne Blitz weggefallen. Dies ist in meinen Augen einer der größten Nachteile zur 7D (und auch zu Nikon, die sind nämlich in der Lage interne Blitze in ihre FX-Bodys zu verbauen). Nicht das der Blitz wirklich als Blitz fehlen würde, aber die Masterfunktion ist schon genial.
Die Anordnung der Bedienelemente auf der Oberseite der Mark III sind zum großen Teil mit denen der 7D identisch. Das Moduswahlrad ist nun vor versehentlichen Bedienen geschützt, wobei es hier für die 7D eine Servicelösung (kostenpflichtig) gab und ich denke aktuelle Modelle umgestellt sind. Auf der Vorderseite fällt auf, dass die Anordnung der Abblendtaste (Schärfentiefenprüfungstaste) wieder auf der Seite des Handgriffes, also rechts ist. An der 7D war diese links und für mich dadurch schlecht bedienbar. Vielleicht habe ich mich auch nur zu blöd angestellt. Für mich ist sie aber rechts wesentlich besser nutzbar.
Weitere Änderungen fallen bei den Bedientasten auf der Rückseite der beiden Kameras auf:
Die Rückseite der 5er erfuhr mehrere kleinere Änderungen. Das Display ist nun 3,2" groß und nicht mehr 3". Ehrlich gesagt ist mir das nicht mal aufgefallen, bis ich es gelesen habe. Die Belegung der Tasten neben dem Display ist bis auf Löschen und Wiedergabe komplett unterschiedlich. Die Menü-Taste ist unter den Auslöser gewandert (ehemals "Q"). Die One-touch-RAW-Taste der 7D gibt es nicht mehr; an dieser Stelle ist die Info-Taste. Der Lichtsensor für das Display ist bei der Mark III der "Q"-Taste gewichen und befindet sich nun unterhalb des Displays. Auch die Doppelbelegung der Tasten für  "AE" und der "Messfeldauswahl" ist bei der 5D nicht mehr vorhanden (Bei der 7D waren hier die "kleiner" und "größer"-Funktionen der Lupe untergebracht). Diese Funktion übernimmt jetzt die Lupentaste in Verbindung mit dem Hauptwahlrad. Auch die Auswahltaste für die Bildstile ist weggefallen und durch die "Rate"-Taste ersetzt worden. AF-ON, AE-Speicherung und AF-Messfeldwahl-Tasten sind an ihren Stellen geblieben und haben die gleichen Grundfunktion. Der Lautsprecher ist bei der 5er nach unten neben dem Lichtsensor gekommen.
Ein weiterer Unterschied ist beim Öffnen des Kartenslots zu erkennen. Während bei der 7D eine CF-Karte ein einsames Dasein fristen musste, kann sich bei der 5er noch eine SD-Card dazu gesellen. Grundsätzlich ist dies eine wirklich sehr gute Sache, leider bremst die SD-Card bei paralleler Aufnahme die CF-Karte aus, so dass die Serienbildgeschwindigkeit nochmals sinkt. Auch die Serienbildrate mit der SD-Card alleine ist geringer als mit einer CF-Card. Dies liegt an einem unterdimensionierten Card-Controller, der die neuen UDMA-Standards nicht beherrscht. Dadurch kann sich der Kauf von schnellen SD-Cards gespart werden, da diese sowieso nicht ausgenutzt werden, nach Forenkreisen ist bei spätestens 45MB/s beim SD-Schacht Schluss. Getestet habe ich das noch nicht, aber langsamer ist der SD-Slot unbestreitbar. Die maximale Anzahl an Bildern ist also nur mit der CF-Karte zu erreichen. Diese liegt mit 5,8 Bildern / Sekunde auch unter der der 7D mit 8 Bildern / Sekunde. Unterschiedlich ist auch der Pufferspeicher der beiden Kameras, während der 5D Mark III nach ca. 13 Bildern (18 Bilder bei UDMA 7 CF-Cards) die Puste ausgeht, kommt die 7D auf 23 Bilder (25 mit UDMA 7). Dies ist teils auch der höheren Auflösung der Mark III geschuldet, deren Dateien ein wenig größer sind. Anderseits ist es sicher auch Teil von Canon´s Marketing-Politik, um die Abgrenzung zur 1er zu setzen.
Kommen wir noch kurz zu den Akku´s. Die Mark III benutzt wie die 7D den Canon LP-E6 als Energiequelle. So kann man also eventuelle bereits vorhandene Ersatzakku´s austauschen. Ein nicht zu unterschätzender, auch finanzieller Vorteil.
Dies waren die äußeren Unterschiede zwischen den beiden Gehäusen. Bleibt vielleicht noch ein Wort zum (vollkommen subjektiven) Anfassgefühl. Ich habe den Eindruck, dass bei der 5er besseres Material eingesetzt wurde. Irgendwie ist das Anfassgefühl wieder ähnlicher der Nikon´s D300 und D700. Diese beiden stellen für mich die optimale Haptik dar. Und die ging bei der 7D irgendwie verloren, ist aber mit der Mark III wieder gekommen. Vielleicht aber nur Einbildung.
Kommen wir zu den inneren Werten, also den Menü´s. Auf den eigentlichen Unterschied APS-C zu KB gehe ich jetzt nicht ein. Der sollte jedem klar sein und es muss jeder mit sich selbst ausmachen, ob und inwieweit ihm der Verlust des Cropfaktors Probleme bereitet.
Die Menüs, hier insbesondere das des Autofokus, sind etwas umfangreicher und Funktionen wie die HDR-Erstellung oder auch eine etwas geänderte Belichtungsreihenfunktion sind dazugekommen. Alles in allem jedoch sehr übersichtlich und klar strukturiert, so wie man es eigentlich auch von Canon gewöhnt ist. Die Anordnung ist Canon-üblich mit Reitern versehen. Neu sind jedoch die Unterpunkte in den einzelnen Reitern. So sind bei der 5D nur sechs Hauptmenüpukte sichtbar. Diese unterteilen sich dann noch in mehrere Seiten.  Um nicht jeden einzelnen Unterpunkt durchblättern zu müssen, kann man die "Q"-Taste benutzen. Mit ihr schaltet man die Hauptmenüpunkte durch, ohne alle einzelnen Untermenüs aufrufen zu müssen. Eine sehr praktische Funktion.

Geändert hat sich auch die Auto-ISO-Funktion. Während es bei der 7D nicht möglich war, bei der Betriebsart Av eine Mindestverschlusszeit einzustellen, ist dies jetzt möglich. Wenn auch begrenzt auf max 1/250. Leider kann man die Werte nur in ganzen Blenden verändern und nicht in 1/2 oder 1/3-Stufen. Warum das Canon nicht endlich nachrüstet ist mir schleierhaft, ähnlich wie die o.a. Begrenzung auf eine Verschlusszeit 1/250s. Auch nach erscheinen der 7D Mark II, die eine wirklich gute Auti-ISO-Funktion hat, tut sich bei der Mark III nichts. Eigentlich hätte Canon hier wirklich nachrüsten können. 

Neu hinzugekommen ist die HDR-Funktion. Die 5D Mark III kann aus mehreren Aufnahmen ein jpeg-HDR errechnen. Wird die Funktion durch das Auswählen des Dynamikbereichs aktiviert, werden durch die Kamera drei Reihenaufnahmen veranlasst. Diese werden dann zu einem HDR gerechnet. Die Originaldateien können behalten oder aber auch automatisch gelöscht werden. Die Dateien liegen dann in dem Format vor, das ursprünglich gewählt wurde, z.B. RAW. Es gibt insgesamt fünf Styles, natürlich, Standard, gesättigt, markant und Prägung. Ich für meinen Teil verwende entweder natürlich oder gesättigt.
Zu diesem Thema passt auch eine weitere, von mir bei der 7D schmerzlich vermisste Funktion-: Die Anzahl der Bracketingaufnahmen kann nun zwischen 2,3,5 oder 7 liegen. Dies ist gerade bei geplanten HDR-Aufnahmen von großem Vorteil.  

Kommen wir zum Prunkstück der Mark III: Dem Autofokus.
Der Autofokus der 5D unterscheidet sich, was die Betriebsmodi angeht nicht wesentlich von dem der 7D. Es kann genau wie bei der 7D zwischen Spot-AF, AF-Feld-Ausweitung, Einzelfeld-AF und automatische Wahl gewechselt werden. Ebenso gibt es die AF-Feldwahl in Zone, jedoch mit neun statt fünf Zonen. Neu hinzugekommen ist AF-Bereich erweitert (Umgebung). Hier werden neben dem ausgewählten Feld noch alle Nachbarfelder mit einbezogen. Die Auswahl der einzelnen Modi funktioniert bei beiden Kameras werkseitig vollkommen gleich mithilfe der M-Fn-Taste.
Das waren dann aber auch jegliche Gemeinsamkeiten.

Die Unterschiede sind schon auf dem Papier ersichtlich. Während die 7D mit 19 Kreuzsensoren auskommen muss, hat die 5D bis zu 41 Kreuzsensoren und 20 Liniensensoren zur ihrer Verfügung, insgesamt also 61 Felder. Fünf der mittleren Kreuzsensoren werden bei bestimmten lichtstarken Canon-Objektiven zu Doppelkreuzsensoren.
Und genau hier liegt ein kleines Problem begraben. Die zur Verfügung stehenden Kreuzsensoren und sogar die Gesamtzahl der (Kreuz- oder Linien-)Sensoren ist vom eingesetzten Objektiv abhängig. Canon hat zu diesem Zweck seine Objektive in Gruppen von A bis H unterteilt. Nehmen wir als Beispiel ein Canon 70-200 2.8L IS II. Dieses Objektiv wird von Canon in der Gruppe in der Gruppe A geführt. Damit erreicht es die maximale Ausbeute des AF. Es stehen die fünf Doppelkreuzsensoren sowie die restlichen 36 Kreuzsensoren zur Verfügung. Dazu noch die 20 Sensoren für waagrechte Linien. Nimmt man jedoch ein 70-200 4L IS, werden aus den Doppelkreuzsensoren nur noch Kreuzsensoren. Kommt dann zum z.B. ein 100-400L ans Bajonett hat man nur noch in der Mitte 21 Kreuzsensoren, die restlichen sind Liniensensoren. Es gibt auch Objektive, bei denen nicht alle 61 Felder zur Verfügung stehen, wie z.B. das EF 180mm 1:3.5 L Macro. Seit der Firmwareversion 1.2 ist der Autofokus der 5D auch in der Lage mit Anfangsblende 8 zu arbeiten. Dann sind jedoch nur der mittlere Sensor und die ihn oben, unten, links und rechts umgebenen Felder aktiv.
Die Kamera erkennt das Objektiv anhand der Lens-ID und stellt so die Felder zur Verfügung. Ein Problem dabei stellen jedoch Fremdhersteller dar. Da diese teilweise ältere Lens-ID´s verwenden , kann es passieren, das bei einem 2.8er Objektiv eben nicht alle Felder, wie bei einem vergleichbaren Canonobjektiv- zur Verfügung gestellt werden
Der Grund für diese Einschränkungen ist, sehr vereinfacht, dass lichtstarke Objektive weniger vignittieren und somit mehr Licht an die Ränder des AF-Sensors lassen.
Die Anordnung der Sensoren selbst, ist jedoch, was das Sucherfeld betrifft, etwas enger als bei der 7D und geht nicht so weit zu den Rändern. Dies ist aber einfach dem größeren Sensor geschuldet. Dennoch hat hier die 7D durchaus Vorteile, da Sensoren eben weiter an den Bildrand gehen und man sich so ein evtl. verschwenken sparen kann.
Weiterhin wurde das Menü für die Einstellungen komplett geändert. Neu für den 7D-User sind die sechs AF-Cases. Hier kann man sehr schnell zwischen den verschiedenen Einstellungen wechseln und diese auch frei anpassen. Jeder Case hat eigene Einstellungen für die AI-Servo-Reaktion, die Nachführung bei Beschleunigen und Verzögern, sowie die AF-Feld-Nachführung. Die AI-Servo-Priorität kann nunmehr für das erste und zweite Bild separat eingestellt werden. Auch die Priorisierung für den One-Shot-AF kann jetzt festgelegt werden.
Ebenfalls neu ist auch die Anzahl der wählbaren AF-Felder, es können entweder alle 61 Felder, nur die Kreuzsensoren (abhängig vom Objektiv) bzw. 15 oder 9 Sensoren angezeigt werden.
Geändert wurde auch die Feinabstimmung, hier kann nun zwischen Weitwinkel- und Teleeinstellung unterschieden werden. Es gibt noch weitere kleinere Unterschiede. Dies waren jedoch die größten, die mir aufgefallen sind.
War die 7D schon gut ausgestattet mit Einstellmöglichkeiten des AF, setzt die 5D Mark III noch einen drauf und ist damit in den 1er Bereich vorgestoßen. Der Nachteil liegt jedoch auf der Hand: Um wirklich gute Fotos mit dem AF-Servo zu machen, bedarf es viel Übung und auch viel Wissen über die einzelnen Funktionen. Ganz ehrlich, ich übe da teilweise heute noch bei bestimmten Situationen.
Was gibt es zur 5D Mark III noch zu sagen:
Ich finde, wie ich bereits erwähnt habe, die Wertigkeit des Gehäuses etwas besser als bei der 7D. Besonders bemerkbar macht sich das allerdings am Batteriegriff. War dieser bei der 7D doch relativ windig gestaltet, ist er jetzt wieder das, was ich vom MB-D10 der Nikons gewöhnt war.
Dem BG-E7 der 7D fehlt schon einmal der Joystick, was das Verstellen der AF-Felder im Hochformat sehr erschwert. Auch die Akkufachdeckel sind nicht gerade schön. Der BG-E11 hat hier z.B. Einschübe für entweder zwei LP-E6 oder 8 AA-Batterien. Der ganze Griff ist haptisch einfach besser und passt auch besser an die Kamera. Weiterhin wurde auch nochmals ein Joystick für das Hochformatfotografieren integriert. Beim Kauf dieses Griffes muss man zwar tief in die Tasche greifen, aber ich finde es lohnt sich. Die Kamera wird so wesentlich griffiger und liegt sehr gut in der Hand. Der zweite Akku ist für die Sicherheit sehr gut, auch wenn dieser eigentlich meist nicht benötigt wird.
Wenn wir schon beim sauteurem Zubehör sind, sollte jemand sich für GPS interessieren, kann ich ihm nur den GP-E2 empfehlen. Auch dieser ist schweineteuer und etwas zu globig geraten, aber bei der 5D (und auch bei allen anderen neueren Canon´s, wie z.B. der EOS M) schreibt er die GPS-Daten direkt in EXIF´s. Ok, man kann dann keinen Blitz mehr verwenden. Aber es geht halt nicht alles.
Mehr zum GP-E2 könnt ihr in der Rubrik "Mein Zubehör" lesen. Ich für meine Teil bin von dem Ding sehr überzeugt.
Das waren meine festgestellten Unterschiede zur Canon EOS 7D. Sollte irgend jemanden noch etwas einfallen oder Verbesserungsvorschläge haben, bitte einfach eine Mail an mich senden. Ich werde es dann aufnehmen. Denn vollständig ist die Liste sicher nicht.
Dann habe ich noch ein paar Bilder der 5D Mark III mit dem EF 17-40mm 4L und teilweise dem GP-E2 oder dem BG-E11. Denn Bilder sagen ja manchmal mehr als tausend Worte:). In diesem Sinne wünsche ich jetzt noch viel Spaß beim durchstöbern meiner Seite.